Testbericht aus Der Deutsche Straßenverkehr 12-1957

     

Aus: „Der Deutsche Straßenverkehr“ 12-1957

Unser Test: P70 Coupé


 

vom VEB Automobilwerk AWZ Zwickau

Neu auf den Markt kommende Kraftfahrzeugtypen scheinen bei uns unter einem etwas ungünstigen Terminstern zu stehen. Erinnern wir uns an den Motorroller, erinnern wir uns an die P 70 Limousine, denken wir an den erwarteten P 50.

Über das P 70 Coupe ist erstaunlicherweise in der Öffentlichkeit recht wenig gesprochen worden. Eines Tages war es auf dem Messestand des AWZ in Leipzig zu sehen, und gar nicht sehr viel später stand das P 70 Coupe zum Testen vor unserer Redaktion. Das Zwickauer Automobilwerk hat uns genügend Zeit gegeben, so daß wir den Wagen in rund 7000 km ausgiebig unter die Lupe nehmen konnten. Der Wagen wurde dabei unter den verschiedensten Belastungen nicht nur im Flachland, sondern auch über eine Strecke von rund 1500 km im Riesengebirge in der CSR ausprobiert. Was wir dabei erfuhren war für uns ehrlich gesagt gar nicht so weltbewegend neu. Es war vielmehr eine erneute Bestätigung der Tatsache, dass der P 70 ein außerordentlich zuverlässiges Fahrzeug ist.

Als wir gegen Ende des Jahres 1955 den Test über die P 70 Limousine veröffentlichten, bekamen wir einige Briefe von Lesern, die uns beschuldigten, nicht objektiv zu urteilen. Wir haben solche Meinungen auch im Laufe des Jahres 1956 noch gehört. Heute sind all diejenigen, die selbst einen P 70 fahren, überzeugte Verfechter dieses Wagens, und das kann auch gar nicht anders sein. Ist der P 70 Typ Tourist (im Volksmund als Kombi bezeichnet) die Abwandlung des Typs Zwickau (Limousine) ins Praktische, so ist das Coupe eine Abwandlung zur anderen Richtung, nämlich zur sportlich eleganten. Darüber, daß das P 70 Coupe ein sportlich elegantes Fahrzeug ist, gibt es wohl kaum einen Zweifel. Schon rein äußerlich fällt dieser PKW auf, weicht er doch von der Linienführung des normalen P 70 erheblich ab. Die Rundumverglasung, die sehr schmalen Fensterptosten, gestatten eine ausgezeichnete Sicht, wie auch die versenkbaren, aus Sicherheitsglas hergestellten Tür- und Seitenscheiben eine Freude sind.

Sollten bei Ihnen Zweifel an der schönen Linienführung auftreten. so sei Ihnen gesagt, dieser Wagen läßt sich verdammt schlecht fotografieren. Steht er aber in natura dann vor einem, dann erkennt man, dieser Wagen ist wirklich hübsch. Er macht, wenn wir einmal eine menschliche Begriffsbestimmung verwenden dürfen, den Eindruck einer etwas molligen freundlichen Blondine. Wir bitten die Blondinen, die das lesen, das wirklich als ein Lob aufzufassen.

Die äußerliche Farbgebung des Coupes ist in allen Ausführungen die uns bis jetzt zu Gesicht kamen, als gelungen und recht geschmackvoll zu bezeichnen. Die Innenausstattung, wir sprechen von unserem Testwagen, war ebenfalls zu den Außenfarben bestens abgestimmt. Der Wagen, außen mittel- und hellgrau, war mit rotem Naturleder ausgeschlagen, die Sitze teilweise mit sandfarbenem Cordsamt überzogen und ebenfalls mit rotem Leder eingefaßt. Die Linienführung des Wagens hat überall dort, wo wir mit diesem Kleinststraßenkreuzer aufkreuzten - auch in der CSR -, fast ungeteilten Beifall gefunden. Das will vor allem insofern etwas besagen, weil eines unserer Redaktionsmitglieder mit diesem Wagen zur 32. Internationalen Sechstagefahrt in Spindelmühle war und sich dort eine Auslese von Kraftfahrzeugfachleuten aus aller Herren Lander versammelt hatten, die den Wagen durchaus kritisch betrachteten. Dazu muß gleich unsererseits noch etwas betont werden, was wir zwar nicht zum erstenmal sagen, aber immer wieder zu jeder passenden Gelegenheit wiederholen möchten. Im internationalen Maßstab ist der P 70 ein ausgesprochener Kleinwagen. Das Coupe ist also die Sonderausführung eines Kleinwagens. Legt man die Maßstäbe an, die man an einen Kleinwagen anlegen darf und sollte, dann ist das Coupe in Linienführung und auch im Fahrkomfort recht gut gelungen.

Das bestätigten u. a. auch Vertreter von DKW Ingolstadt und anderen Firmen. Ausstattung, wie die Sitze, die Türverkleidung mit den Armlehnen und eingebauten, herausklappbaren Seitentaschen sind nicht nur schön, sondern auch praktisch. Klappt man die Rückenlehne der Notsitzbank herunter, steht eine zusätzliche Kofferablage zur Verfügung.

Kommen wir nun zu den Eingeweiden. Der Motor ist der gleiche wie in der Limousine bzw. im Kombityp. Er leistet bekanntlich 22 PS bei 3500 U/min. Sein maximales Drehmoment beträgt 5,4 mkg und liegt bei 1900 U/min. Auch in den Antriebsorganen wie Getriebe und Vorderradachsantrieb entspricht die Ausstattung des Coupes genau dem normalen Serientyp. Unser Testwagen hatte die komplette serienmäßige Antriebsausrüstung. Obwohl man in eingeweihten Kreisen und auch beim AWZ von einer neuartigen Auspuftanlage spricht, die in die 57er Modelle eingebaut werden soll und die durch sorgfältige Auspuffabstimmung etwa 2 PS mehr an Leistung bringen soll, ist diese Anlage offensichtlich bis zur Fertigstellung unseres Coupes eben nicht fertig geworden. Unser Coupe hatte also keinerlei Extras im Hinblick auf die Motorleistung. Wir betonen das deshalb so, weil wir nachher auf verschiedene Fahrleistungen zu sprechen kommen, die für den 700-cm-Zweitakt-Motor sehr beachtlich sind.

Auch im Fahrwerk bestehen gegenüber der Limousine keine Abweichungen. Die Vorderräder sind einzeln unten an Dreieckslenkern aufgehängt und werden oben von der Halbelliptik-Querfeder getragen. Kolbenstoßdämpfer dämpfen die Rücklaufenergie beim Ausfedern. Die Hinterachse ist nach wie vor starr, mit Längslenkern am Rahmen angelenkt und durch eine hochliegende Querfeder abgestützt. Die Dämpfung übernehmen hier ebenfalls hydraulische Kolbenstoßdämpfer. Auch die Lenkung entspricht genau dem Serientyp. Von Anschlag zu Anschlag werden 2¼ Lenkradumdrehungen benötigt. Diese Lenkradübersetzung ist für den Wagen genau richtig. Der Wendekreisdurchmesser liegt bei 10 m. Betrachtet man den Aufbau des Fahrzeuges, so erwartet man naturgemäß gleiche oder zumindest ähnliche Fahreigenschaften wie beispielsweise bei der P 70 Limousine. Tatsächlich jedoch sind die des Coupes noch besser. Man ist schon nach den ersten Kilometern angenehm überrascht von der bestechenden Straßen- und Kurvenlage dieses Wagens. Wir sind so kühn zu behaupten, dass das P 70 Coupe im Hinblick auf die Lenkungseigenschaften das beste Frontantriebstahrzeug ist, das wir kennen. Wir haben gerade die Fahreigenschaften des Wagens besonders eingehend untersucht und können wirklich nicht das Geringste daran aussetzen. Der Wagen läuft mit einer Spur auf Asphaltstraße und mit der anderen auf einem ganz üblen Sommerweg mit Schlaglöchern, Schmiere und allen Schikanen, die man sich denken kann, ganz exakt geradeaus, ohne irgendwie ins Schwimmen zu kommen. Die Kurvenlage des Fahrzeuges ist einfach bestechend. Da gibt es kein Quälen oder Quietschen, im Gegenteil, man hat ständig den Eindruck, der Wagen könnte in der Kurve noch erheblich mehr Geschwindigkeit vertragen. Alles in allem: das Coupe liegt wie ein Brett auf der Straße.

Der gesamte Wagen ist etwas leichter als die Limousine (wir haben ihn auf die Waage genommen) und wiegt 870 kg ohne Insassen, aber voll getankt und mit allem Zubehör. Davon entfallen auf die Vorderachse 510 kg und auf die Hinterachse 360 kg. Betrachtet man diese Zahlen, so kann man verstehen, daß der ganze Wagen besonders in den Kurven geradezu an der Vorderachse hängt und exakt durchgezogen wird. Auf gerader Strecke liegt der Wagen besser, wenn der Kofferraum etwas belastet wird. Schon zwei volle 20-Liter-Kanister machen da sehr viel aus. Die mit dem Coupe erreichten Fahrleistungen überraschten uns anfangs genauso, wie seine guten Fahreigenschaften. Durch die blitzschnelle Wendigkeit des Wagens kann man auch auf kurvenreichen Landstraßen mit vielen Ortsdurchfahrten beachtliche Schnitte herausfahren, und auch auf der Autobahn ist der Wagen durchaus nicht langsam. Als Spitzengeschwindigkeit haben wir in mehreren Messungen Werte von 104 bis 106 km/h gestoppt. Über eine längere Strecke, Fahrtdauer genau 10 Minuten, erreichten wir auf der Autobahn in leicht hügeligem Gelände in der Schorfheide einen Höchstgeschwindigkeitsdurchschnitt von 97 km/h. Die 70 km Karl-Marx-Stadt- Dresden auf der Autobahn fuhren wir einmal in knapp 48 Minuten. Das entspricht einem Schnitt von 88 km/h. Das sind für den kleinen Wagen erstaunliche Leistungen, die man kaum für möglich hält.

Natürlich kommt man bei diesen Fahrleistungen nicht mit 7 l Kraftstoff aus. Bei ständiger Autobahnjagerei muß man schon mit rund 10 l/100 km rechnen. Fährt man etwas ziviler, dann liegt der Verbrauch bei 7,5 bis 8,5 l/100 km. Die Beschleunigung des Fahrzeuges ist gut, allerdings ist bei 60 km/h im dritten Gang eine spürbare Lücke, und um die Höchstgeschwindigkeit zu erzielen, braucht man ein Weilchen. Dies tut jedoch dem Wagen keinen Abbruch, im Gegenteil, er ist und bleibt ein quicklebendiges Fahrzeug hinsichtlich seiner Leistung. Im Gebirge, oberhalb 1200 m, reicht die Thermosyphonkühlung nicht mehr aus, d. h., das Wasser kocht verhältnismäßig schnell, besonders beim Befahren längerer Steigungen.

Mit den Bremsen waren wir nicht ganz zufrieden. Wir erreichten als optimale Verzögerung 6 m/s2, das ist gemessen an der Geschwindigkeit des Fahrzeuges ein bißchen knapp. Außerdem müssen die Bremsen sehr sauber eingestellt werden. Bremsen die Räder bei nasser Straße ungleichmäßig, so kann man sich unter Umständen schnell im Kreis drehen und mit der Nase nach hinten zum Stehen kommen.
Die Karosserie des Coupes besteht nur teilweise aus Kunststoff. Das Dach, die Motorhaube und die Kofferklappe sind aus Blech, da diese Teile in ihrer Form gegenüber der Limousine abweichen. In diesem Zusammenhang taucht natürlich auch die Frage auf: Wieviel Platz hat man im Coupe´? Nun, den Hut muss man abnehmen, besonders wenn man über 1,70 m groß ist. Das bringt die flache Linienführung nun einmal mit sich. Sonst ist der vorhandene Platz völlig ausreichend. Hierbei möchten wir ausdrücklich betonen, das Coupe ist ein Zweisitzer mit zwei Not- oder Kindersitzen. Betrachtet man die Raumverhältnisse des P 70 im Vergleich zu anderen Coupes (wir haben auch im VW-Coupe von Karman-Ghia gesessen), so schneidet der P 70 dabei mit am besten ab. Die Motorhaube wird beim Coupe durch einen Hebel (über Bowdenzug) unter dem Armaturenbrett geöffnet. Der Kofferraum ist sehr geräumig und von außen verschließbar bzw. zugänglich. Das Schloß hat allerdings einen Haken, im wahrsten Sinne des Wortes, der beim öffnen von außen durch einen verschließbaren Druckknopf aus seinem Eingriff gedrückt werden muß. Da der Haken von innen nicht verkleidet ist, schieben sich Gepäckstücke während der Fahrt dagegen und blockieren so das Schloß. Wir waren demzufolge gezwungen, die Trennwand zwischen Innenraum und Kofferraum zu zerschlagen, quasi im eigenen Wagen einzubrechen, und die Gepäckstücke von innen etwas vorzuziehen, damit wir die Kofferklappe wieder öffnen konnten. Hier ist unbedingt eine Verkleidung des Schließhakens erforderlich, um das Blockieren zu verhindern. Eine kleine Blechklappe genügt da schon.

Es gab auch einige Kleinigkeiten, mit denen wir Ärger hatten. Die Heizung zum Beispiel ist sehr wirksam, denn das Coupe´ hat ein Gebläse in der Heizleitung, allerdings kann man das für die Defrosten nicht voll ausnutzen, da dann die Scheiben beschlagen. öffnet man ein Fenster auch nur einen Spalt, dann zieht es im ganzen Wagen. Hier ist eine entsprechende Änderung zu empfehlen. Stichwort: Zugfreie Belüftung.
Nun noch zu einer weiteren Kleinigkeit, die sich sehr unangenehm auswirkte. Die Lenksäule ist unter dem Armaturenbrett in einer Preßstoffbüchse gelagert. Diese Büchse war bei unserem Coupe´ offensichtlich etwas zu groß ausgefallen. Das wirkte sich so aus, daß sich der Wagen, solange er kalt war, wunderschön leicht und spielend lenken ließ. Nach etwa 50 km Fahrt quoll die Büchse vermutlich durch Erwärmung etwas auf und die Lenkung ließ ich nur noch ruckweise bewegen. Wir haben die Büchse mit Seifenwasser und auch mit verschiedenen anderen Dingen geschmiert, die Schwergängigkeit war jedoch nie ganz zu beseitigen. Hier muß das Automobilwerk Zwickau darauf achten, daß sein Zulieferbetriebe die testgelegten Maße exakter einhalten, denn schließlich, wir haben das schon oft betont, steht nicht der Name irgendeines Zulieferers, sondern der des Auslieferwerkes auf dem Fahrzeug.

Ein willkommenes Extra gerade für das Coupe, wäre eine Sonnenblende, denn man kann sich bei der verhältnismäßig großen Scheibe und der etwas tieferen Sitzposition nicht so vor der Sonne verstecken wie bei den meisten anderen Wagen. Das Instrumentenbrett, Tachometer mit Fernlicht- und Kühlwasser- kontrolle liegt gut im Blickfeld, ließe sich jedoch die Knopfanordnung nicht besser gestalten, ähnlich wie beim Wartburg mit einer Tastaturschaltreihe? Die Form des Armaturenbrettes kann u. E., gemessen an der äußeren und inneren Formschönheit, etwas ausgeprägter und eleganter sein. Im Beinraum sollte man etwas mehr Dämpfung anstreben, denn die Motor- und Getriebegeräusche lassen sich mit etwas an der Spritzwand bis zum Armaturenbrett angebrachten Moosgummi ganz erheblich abdämpfen. Noch einige Worte zur Beachtung: An den Beinen zieht es, was mit vernünftig profilierten Moosgummistreifen leicht abstellbar Ist. Der eingebaute Scheibenwischer war richtig, er läuft also wieder parallel-wischend, das berüchtigte gefährliche Schmutzdreieck auf der Windschutzscheibe fällt weg und kann also auch nicht die Sicht behindern.

Nur seine Funktionssicherheit ließ beim Testwagen zu wünschen übrig. Da das kein Einzelfall zu sein scheint, ist dem AWZ dringend zu empfehlen, die Vertragsbeziehungen mit seinem Scheibenwischerlieferanten exakt zu klären, damit auf diesem Gebiet endlich eine einwandfreie Qualität erreicht wird und gegebenenfalls Vertragsstrafen wegen mangelnder Qualität ausgeworfen werden können.

Zum Coupe P 70 könnten wir noch manches sagen, daß alles wären nur Kleinigkeiten, die unbegründeterweise den guten, großen Gesamteindruck verwischen würden. Was zum Beispiel interessierte Sie als Leser zu erfahren, daß in dem Gußschaft eines Scheibenwischers ein Gießtehler war, so daß der Scheibenwischer nach einigen Betriebsstunden abbrach. Grundsätzlich natürlich soll so etwas nicht vorkommen, aber das Zubehörwerk, das seine gegossenen Scheibenwischerschäfte auf Gußfehler untersucht, vielleicht durch Röntgenuntersuchungen, das gibt es wohl auf der ganzen Welt noch nicht. Deshalb meinen wir, über derartige Kleinigkeiten zu schreiben wäre kleinlich.

Wiederholen wir das bereits Gesagte. Der P 70 ist ein außerordentlich zuverlässiges, robustes und dankbares Fahrzeug. Die Sonderausführung, Coupe, hat eben diese genannten Eigenschaften im gleichen Maße, wie die Limousine und der Kombi, bringt aber darüber hinaus noch bessere Fahreigenschatten mit. Das Coupe ist ein reiner Zweisitzer. An dieser Feststellung ändert sich auch nichts, wenn Sie einmal drei oder vier erwachsene Personen im Coupe sitzen sehen. Daraus ergibt sich natürlich auch ganz klar der Verwendungszweck des Coupes. Zwei erwachsene Personen, vielleicht mit zwei kleineren Kindern, können diesen Wagen als Gebrauchswagen benutzen. Seine Freude an diesem Wagen wird haben, wer mit relativ geringen Mitteln in einem gut aussehenden Wagen schnell fahren will. Um Ihnen aber zu all dem Gesagten eine klare Bestätigung zu geben: Wir haben die Gelegenheit, das von uns getestete Coupe Typ P 70 zu kaufen, und in den nächsten Tagen wird dieser Wagen bei uns eintreffen. um seinen Dienst hier für die Redaktion anzutreten. Wenn wir ihn also kaufen, nach so langer und gründlicher Prüfung, dann ist das Ding bestimmt gut.